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Schafabtrieb in Island reiten

Schafabtrieb in Island. Genauer gesagt beim isländischen Schafabtrieb mitreiten mehrere Tage. Pferde, Berge, Wind, Regen im Gesicht und originale isländische Pferdepower die durchs Wasser und über Lava tölten. Dieser Punkt stand nun mehrere Jahre auf meiner Bucket Liste. Zusammen mit dem Punkt – meiner Mama Island zeigen. Irgendwie hatte ich dieses Jahr dann plötzlich das Gefühl es wäre jetzt Zeit diese zwei Dinge in die Tat umzusetzen. Keine Ahnung – ab und zu hat man so ein Gefühl eben. Ein paar mal hatte ich mich informiert, Daten mit unseren Hochzeitsbuchungen abgeglichen und Preise verglichen. Es sollte klein und fein sein. Kein Touristen Event mit großen Gruppen und Möchtegern Reitern die zum zweiten Mal auf dem Pferd sind. Keine Guides die alles Touri tauglich machen. Ich wollte wenigstens dabei sein und zusehen. Mit den Isländern mitreiten. Den Flow spüren wenn 20 Pferde durch die Berge rasen. 

Riding tour to the sheep round up in Iceland

Nach dem ich einige Anbieter angefragt hatte, fiel mir der Stall wieder ein in dem ich 2013 schon eine kleine Tour gemacht hatte. Klein und individuell. Kein riesen Hof mit perfekter Anlage. Auf deren Webseite stand sie bieten den Sheep Round-up an. Die Daten waren allerdings von 2016. Also erstmal ein Email schicken ob dieses Jahr so eine Tour stattfindet. Und ja – sie fand statt. Genau zur richtigen Zeit. Das eine freie Wochenende im September. Da stand nur ungefähr wie alles funktioniert. Abholung, Essen und Guesthouse inklusive. 3 Tage reiten, 2 Tage beim Schafe treiben. Nur für erfahrene Reiter, maximal 8 Teilnehmer. Perfekt dachte ich und hatte auch schon meine Mama überredet. Was uns erwartet wussten wir nicht so wirklich.

Facts

  • Unser Anbieter: Solhestar 
  • Dauer: 3 Tage/ 2 Nächte (1 Tag ab 09 Uhr, letzter Tag bis ca. 20 Uhr)
  • Kosten 2018: 1050€ / Person
  • Reitkenntnisse: sehr gute Reitkenntnisse nötig!  Sicher sitzen, lange Strecken Traben, selbstständig satteln, Handpferd, über Bäche springen
  • Verpflegung: Frühstück, Lunchpaket, warmes Abendessen, Snacks 
  • Sprachkenntnisse: Alle sprechen in Island fliessen Englisch, wenige auch Deutsch
  • Unterbringung: Tolles Guesthouse mit Hot-Tube und eigenem Bad

Tag 1 Mehrtagesritt in Island

Am 13.9. ging es dann nach Island den Tag drauf wurden wir dann pünktlich um 9 in Reykjavík abgeholt und konnten erstmal im Guesthouse einchecken und unsere Sachen auspacken. Dann gabs erstmal Frühstück beim Stallbesitzer Sólmundur und seiner Frau Sjöfn Zuhause. Dann gings ans Helm probieren – nach Island dürfen keine Helme,  Reitschuhe oder Lederwaren eingeführt werden die Zuhause Pferdekontakt hatten. Es kommen noch Freunde an, der Sohn des Besitzers, er selbst, zwei Stallmädels, der Hufschmied und der Stallmanager reiten ebenfalls mit. Alle packen ihre Satteltaschen mit Lunchboxen und Bier voll. Wir reiten heute 5 Stunden über die Berge. Es wird sofort in zügigem Tempo getöltet. Nachdem der letzte Weg endet tölten wir zum ersten Mal über riesige Schlammlöcher und Steinbrocken und ich frage mich ob das wohl gut enden wird. Dann kommt schon die erste Pause. Die Pferde dürfen grasen und Bierdosen knacken. Die Zügel werden beim Grasen über den Kopf genommen, sollte ein Pferd abhauen, verhakt es früher oder später und stoppt so. OK – das ist mal neu. Wir halten unsere Pferde lieber.

Nach 30min geht es direkt weiter im Tölt. Vorbei an heissen Quellen, abwärts und über eine Teerstraße. Mir wird bewusst, das ist keine Touristen Tour. Das Wetter ist perfekt und der Weg führt uns durch viele seichte Flussläufe. Immer wieder machen wir Pause, satteln ab und reiten dann zügig weiter. Einige Handpferde laufen frei mit. Eins kommt von Weg ab und rutscht einen gefährlich steilen Hang auf dem Po herunter. Kurz schwitzen wir wohl alle, dann geht alles gut. Die vorderste Crew hat es eilig und gibt Vollgas zum kleinen Stall. Hier bleiben die Pferde über Nacht draussen. Wir fahren zurück und bekommen leckeres Abendessen. Alle sitzen gemeinsam am Tisch, es wird über Pferde und Erlebnisse geredet. 

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Tag 2 Der isländische Schafabtrieb beginnt

Um 7 treffen wir uns zum Frühstück. Um 8 fahren wir zu den Pferden. Heute kommen noch mehr Isländer mit die mit eigenen Pferden zum Stall kommen. Unsere Gruppe reitet zusammen zu einer Tankstelle, sattelt dort ab und trinkt Kaffee. Die geübteren einheimischen Reiter reiten in die Berge, die Schafe dort oben holen. Wir satteln später wieder und verteilen uns in einem Lavafeld. Wir sollen eine Reihe bilden. Dann warten wir bis die Schafe kommen. Das Feld ist voll mit Steinbrocken und löchern. Sólmundur galoppiert durch das Feld und treibt einzelne Schafe vorwärts während ich ungläubig drein schaue und selbst kaum laufen kann zwischen den Felsen.

Wir reiten ein Stück und warten wieder im eisigen Wind. Es nieselt inzwischen und ich bin froh um den orangen Regenanzug den wir bekommen haben. Wir warten sicher 2 Stunden bevor die Schafe kommen. Alle Reiter umkreisen sie und treiben sie in die Weide. Der Tag endet heute früher, um 14Uhr und wir genießen unseren heißen Pool vor dem Abendessen.

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Riding the sheep round up in Iceland

Tag 3 der eigentliche Sheep Round-up

Das Wetter ist besser, es geht wieder um 7 los. Heute werden wir die Schafe in den Bergen holen. Wir reiten gemeinsam hoch und teilen uns dann wieder in Gruppen. Wir wissen halbwegs in welche Richtung und verteilen uns wieder auf eine Linie. Dann kraxeln unsere Pferde einen Hang hoch. Wir finden tatsächlich 3 Schafe und treiben sie weiter in die vorgegebene Richtung. Dann warten wir. Keiner weiss wie lange und worauf. Irgendwann scheint sich unsere Reihe wortlos zu einigen weiter geradeaus zu reiten. Wieder durch ein Lavafeld von dem ich noch vor zwei Tagen behauptet hätte das hier kein Pferd laufen kann. Inzwischen vertraue ich meinem Wallach und lasse ihn einfach laufen wo er möchte. Wir kommen am Ende der Ebene an, vor uns eine Schlucht, von allen Seiten treiben die Profis Schafherden den Berg herunter und ich bin froh hier nur die vergessenen Schafe zu suchen. Das sieht ziemlich steil aus. Wir warten wieder und ich frage mich ernsthaft wie wir hier runterkommen.

Unser Chef Sólmundur taucht auf und ich bin froh – denke ich doch er wird uns auf einem guten Weg ins Tal bringen. Sicher 15 Reiter denken das wohl auch und folgen ihm. Wir reiten in einen schmalen Bachlauf der Steil über ein Schotterfeld nach unten führt. Hier würde ich normal nichtmal zu Fuss gehen. Ich bin das zweite Pferd und sehe ungläubig zu wie er samt Handpferd über den Bach springt und über den Schotter schlittert. Ok wir müssen also hier runter. Ich treibe meinen Wallach Thor der schon nervös tänzelt und dann auch einen riesen Satz über den Graben nimmt. Dann lasse ich ihn einfach und muss ihm vertrauen das er das Geröll meistert. Hier samt Pferd auf die Spitzen Steine fallen ist nicht so meine liebste Vorstellung. Wir haben es geschafft, hinter mir fällt ein Mädchen vom Pferd weil sie sich zu weit nach vorn gelehnt hat. Zum Glück geht es ihr gut. Ich bin jetzt absolut sicher das die Isländer verrückt sind.

Der Round-up

Unten angekommen treffen sich nun alle Reiter und treiben die große Schafherde ins Gehege. Nach einem ganzen Tag im Sattel bin ich froh ein paar Schritt zu laufen. Jetzt beginnt das sortieren der Schafe. Jemand bringt Kaffee und Snacks für alle mit und es versammeln sich langsam Zuschauer um das Gehege. Die Schafe werden in die Mitte getrieben und alle helfen mit sie nach Ohrmarken in kleine Gehege um den Kreis zu treiben. Jeder möchte mal ein Schaf packen und mithelfen.

Nach zwei Stunden sind alle Schafe sortiert und werden abgeholt. Wir satteln ein letztes Mal und reiten die letzten 6km zurück. Ich freue mich auf einen gemütlichen Ritt und werde wieder mal eines besseren belehrt. Isländer reiten wohl niemals im Schritt. Fast die ganze Strecke tölten wir durch. Nur ein Gatter zwingt die Gruppe kurz zum warten. Mein Pferd Thor hat immer noch Power und kennt den Heimweg offensichtlich. Trotzdem trieft er nach sieben Stunden unterm Sattel trotz den Pausen und Wartezeiten schon bedenklich. Ich möchte nicht überall abwärts tölten und halte ihn teilweise zurück. Den verlorenen Boden machen wir im Renngalopp wieder wett. Keine Anzeichen von Müdigkeit, ich muss ihn immer noch fast dauernd zurückhalten. Die letzten Meter zum Stall lasse ich ihn einfach laufen und genieße noch ein letztes Mal den unfassbaren Tölt (oder Rennpass?). Wir sind alle komplett erledigt, nur für die isländischen Reiter scheint das ganz normal zu sein. Wir essen nochmal gemeinsam zu Abend und werden dann zurück nach Reykjavik gefahren.

Sheep Round up Tour in Iceland

Isländischer Schafabtrieb

Die Tour war unglaublich. Ja auch ein bisschen verrückt, ein bisschen anstrengend teilweise auch. Trotzdem sind wir überglücklich – genauso habe ich mir das vorgestellt. Es wurde nichts für uns touristisch gemacht. Wir waren einfach dabei, haben uns selbst darum gekümmert wo wir bleiben mit den Pferden und uns einfach unter die Gruppe gemischt. Wir wurden immer sehr liebevoll von Sjöfn versorgt die nach jeder Tour mit dem Bus und heißem Kakao auf uns gewartet hat und nebenbei eine wunderbare Köchin ist. Ich kann die Tour jedem empfehlen der gerne echtes Island erleben möchte.

 

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